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Eine Gruppe gut gelaunter Mädchen, zwei von ihnen pusten Seifenblasen

Stellungnahme zum Partykonzept des GO PARCs Herford

Wir, die Mädchen- und Frauenberatungsstellen aus dem Kreis Herford und das Mädchenhaus Bielefeld e.V., möchten uns für eine sichere Partyszene in Herford einsetzen. Deswegen sind wir kritisch auf das Partykonzept des GO PARCs in Herford aufmerksam geworden.

Besonders eine Party, die am 17./18.11.2023 stattgefunden hat und eine weitere, die für den 24./25.11.2023 geplant ist, ist uns aufgefallen.

Wir kritisieren die gewaltverharmlosenden und sexistisch formulierten Partyeinladungen vom GO PARC in Herford.

Der Einlass ist ab 16 Jahren. In der ursprünglichen Fassung der Einladung zum 24.11.2023 hieß es: „Verabschiede dich von jeglichen Regeln und feiere mit anderen Geistesgestörten eine hemmungslose Party voller Eskalation“. In den darauffolgenden Zeilen wurden Partyprogrammpunkte beschrieben, die „geile Memorys“ kreieren sollen. Dazu gehören Trinkspiele aller Art. Hierbei werden die Konsequenzen aufgelistet, die zum Tragen kommen, wenn eine Person eine Grenze setzt und eine Aufgabe nicht erfüllen möchte. So wurde davon gesprochen, dass man einen Kurzen trinken „muss“. Beim Strip-Beerpong „muss“ ein Kleidungsstück fallen und beim „Flaschendrehen extrem“ sollten „Grenzen getestet“ und die Frage gestellt werden, „wie weit“ jemand für den Freiverzehr geht. Der GO PARC hat die Partyankündigung bereits geändert, das begrüßen wir.

Wir wünschen uns Partys für junge Menschen, wo insbesondere Mädchen und Frauen selbstbestimmt feiern können, ohne durch Spielregeln oder Gruppenzwang sich ausziehen oder kein „Nein“ sagen sollen.

Leider können (sexuelle) Grenzüberschreitungen und gewaltvolle Übergriffe überall passieren – auch auf Partys. Auch wenn Menschen freiwillig und gerne auf Partys gehen, die zur Eskalation einladen, sollte es gerade dort immer möglich sein, sich jederzeit gegen Alkoholkonsum oder das Ablegen von Kleidung zu entscheiden.

Das gesamte Konzept schien darauf ausgerichtet zu sein, dass Grenzen überschritten werden, um eine vermeintlich tolle Party zu haben. Dies ginge zu einer hohen Wahrscheinlichkeit auf Kosten derer, die sexuelle Grenzüberschreitungen und sexualisierte Übergriffe erfahren. Diese können leider auch im Nachhinein noch starke Nachwirkungen haben.

Wir möchten dem GO PARC empfehlen, ein Schutz- und Awarenesskonzept zu entwickeln. Dadurch sind Mitarbeitende geschult, übergriffiges Verhalten zu erkennen sowie reagieren zu können und betroffene Personen können sich im GO PARC geschützt fühlen.

Leider wissen wir als Mädchen- und Frauenberatungsstellen nur allzu gut, was die Auswirkungen solcher Partys sind und sicher ist auch, dass selbst uns nur ein Bruchteil der Realitäten in Clubs bekannt wird. Mädchen und junge Frauen erleben, dass sie in so einem Umfeld häufig zur Ware, bzw. zum Lustobjekt reduziert und damit degradiert werden, indem sie ausdrücklich dazu aufgefordert werden, sich auszuziehen. Es wird ihnen dafür in der Werbung vom GO PARC sogar eine Belohnung versprochen: „Free Drinks für alle die oberkörperfrei oder im BH tanzen“. In so einem Umfeld werden, auch durch Gruppendruck, eigene Grenzen überschritten und Grenzüberschreitungen durch andere erlebt. In unserer Arbeit treffen wir auf Mädchen und junge Frauen, die mit Alkohol und K.O.-Mitteln gefügig gemacht wurden und massive sexuelle Übergriffe erlebt haben. Partys, die damit werben, dass ein „Nein“ nicht möglich ist, begünstigen solche Übergriffe.

Vor diesem Hintergrund ist es uns sehr wichtig, dass die Betreiber des GO PARCs Herford in Zukunft sensibler mit dieser Thematik umgehen, ihre Partykonzepte überarbeiten. Es sollte ein Sicherheits- und Awareness-Konzept für zukünftige Partys veröffentlicht werden.

Maßnahmen dafür könnten z.B. Infomaterialien auf den Toiletten, Schulung des Personals in Bezug auf sexualisierte Gewalt, K.O.-Mittel, Hilfsangebote für Betroffene, spezielle Awareness Teams und vieles mehr sehr sein. Die vielfältigen Unterstützungseinrichtungen für Frauen und Mädchen im Kreis Herford sowie über die Kreisgrenzen hinaus bieten Fachkompetenz für Themen der Prävention von sexualisierter Gewalt und den sensiblen Umgang mit eigenen Grenzen und den Grenzen anderer Personen. Materialien und Schulungen können selbstverständlich auch vom Go Parc angefragt werden.

femina vita, Mädchenhaus Herford e.V.
Frauenberatungsstelle Herford e.V. und Notruf
Mädchenhaus Bielefeld e.V.
NADESCHDA - Frauenberatungsstelle für Betroffene von Menschenhandel
THEODORA, Prostituierten- und Ausstiegsberatung

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